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Zeitzeichen 2018

Ein Rückblick auf Anstöße aus 20 Jahren „Kunst & Kirche“ in Form einer Ausstellung, die Höhepunkt und Schlussakkord sein soll.


Über „Kunst & Kirche“ in der evangelischen Kirche der Versöhnung kann man nicht schreiben, ohne Ulla Schemann und Helmut Schneider-Lessmann zu erwähnen. Die Reihe ist ihr Kind und ein Teil ihres Erbes. „Man soll aufhören, wenn es am besten ist. Nach 20 Jahren ist jedoch mein Eindruck, dass die Luft aus diesem Projekt heraus ist. Heute müssen sich solche regionalen Kunstausstellungen ja gegen eine große Konkurrenz an Veranstaltungen behaupten“, sagt Organisatorin Ulla Schemann. Zugleich aber holt sie zum letzten Kunst-Schlag aus: Zeitzeichen 2018. Die „Best-of-Ausstellung“ wird am Sonntag, 4. März um 11.30 Uhr in der Kirche eröffnet und ist dort bis Freitag, 9. März jeweils montags bis freitags von 17-19 Uhr zu sehen. Zahlreiche Künstler werden zur Eröffnung kommen!
Der Anfang war bescheiden: Die Künstlerin Ute Gagel hatte sich 1998 beim damaligen Pfarrer Helmut Schneider-Lessmann beworben. Ulla Schemann, in Berlin-Tempelhof geborene Abteilungsleiterin der Warenhaus-Kette Kaufhof, war zu der Zeit Mitglied im Öffentlichkeitsausschuss der Kirche. Schneider Lessmann sprach sie an und bat sie, sich um das neuartige Projekt einer Kunstausstellung in der Kirche zu kümmern. Daraus wurde eine regionale Erfolgsgeschichte.
„Als wir die Reihe 1998 begonnen haben, waren wir die ersten, die solche Kunstausstellungen auf die Beine stellten. Hinzu kam stets ein exzellentes Rahmenprogramm, sodass der Zuspruch der Besucher sehr groß war. Das nötige Geld für die Finanzierung stammte aus unserer Kabarettreihe, deren Erlöse immer auf das Konto Kunst und Kirche im Finanzbudget der Kirchengemeinde flossen“, erzählt Schemann.
Für die Abschiedsausstellung, in der Highlights aus 20 Jahren Kunst und Kirche gezeigt werden sollen, hat Ulla Schiemann einige besondere Ideen. Zum einen sollen die Plakate aller Ausstellungen in einer Mappe gesammelt und in der Kirche ausgelegt werden. An die mittlerweile verstorbenen Künstler der Reihe sollen Kataloge erinnern. „Viele Künstler werden auch persönlich zu der Abschiedsausstellung kommen. An jedem ausgestellten Kunstwerk wird eine Information in der Größe einer Postkarte über den Namen des Künstlers sowie Titel und Zeitraum der Ausstellung informieren“, so Ulla Schemann.
Ein Reiz der Reihe war immer das abwechslungsreiche Rahmenprogramm. Der Musiker Markus Stockhausen, der Kabarettist Hagen Rether und die Wise Guys gehörten zu den Stars der Reihe. „Es handelte sich ja nie um die Ausstellung eines einzelnen Künstlers, sondern sie war eingebettet in einen Kontext, den wir mit dem Rahmenprogramm hergestellt haben“, erklärt Ulla Schemann die Philosophie der Reihe.
Warum ausgerechnet in einer Kirche? Das ist aus Schemanns Sicht ein schlichtes und nüchternes Gebäude, das Raum für Anstöße und Gedanken lässt – der ideale Ort für eine Kunstausstellung. „Als besonderes Highlight dieser zwei Jahrzehnte Kunst und Kirche in Lechenich ist mir die Ausstellung 2008 Buch Hiob von Prof. Günther Ücker in Erinnerung. Er war bereits in der damaligen Zeit sehr prominent und seine Bilder waren Höhepunkte.“
Den Anfang machte 1998 Ute Gagel mit ihren „Botschaften“. „Das ist eine enorm fleißige Künstlerin, die mit 50 Jahren noch ein Studium zur Metall-Bildhauerin gemacht hat“, erinnert sich Schemann. Ute Gagel zeigte Reliefs und Skulpturen in Metall, deren kinetische Beweglichkeit und Veränderbarkeit einen eigenen Reiz hatten. Im selben Jahr ging es „Weiter“ mit Usa Beer, die Papierobjekte und Bilder ausstellte.
„Auf Suche“ von Helga Eitz (1999)
„Helga Eitz war sehr dominant in der Vorbereitung der Ausstellung und hat das gesamte Rahmenprogramm für uns entwickelt.“ Die Künstlerin zeigte Plastiken, Skulpturen und Reliefs aus drei Zyklen. Die Ausstellung führte zu den zentralen Themen und Problemen der Menschheitsgeschichte von ihren Anfängen bis heute: Mann und Frau, Natur und Mensch sowie Chaos und Ordnung.
„La Morte“ von Klaus Schramm (2000)
Klaus Schramm, ein moderner Künstler, verlangte Beschäftigung und Zeit, um sich mit seinem Werk anzufreunden. „Er hat großartige Arbeiten auf Papier und Leinwand nach Lechenich gebracht“, unterstreicht Ulla Schemann.
„Wandlungen“ von Anemone Buhl (2001)
Anemone Buhl gestaltete Gesichter in Form von Skulpturen und Objekten. Im Vordergrund ihrer Arbeit stand die intensive Beschäftigung mit Gesichtern, die zum einen die Wechselbeziehung im menschlichen Miteinander und zum anderen den Facettenreichtum der Einzelperson aufzeigten.
„Augenblicke der Stille“ von Roswitha Ritterbach (2002)
„Roswitha Ritterbach ist eine sehr interessante, vielschichtige und anspruchsvolle Künstlerin. Das Aufhängen ihrer Bilder hat sechs Stunden gedauert“, blickt Ulla Schemann zurück. In Bildern und Objekten spielte Roswitha Ritterbach symbolisch auf menschliche Wesenszustände an.
„Tod und Eros“ von Sabine Hoppe (2003)
Eine Bronzeplastik von Sabine Hoppe steht bis heute in der Kirche und zeigt eine Figur, die eine Totenmaske in der Hand hält. Sabine Hoppe zeigte Plastiken und Bilder zum Spannungsfeld von Tod und Eros.
„Verschwebendes“ von Mahmood Mirzaie (2004)
Mahmood Mirzaie ist ein iranischer Künstler, der sich mit Malerei und Kalligraphie beschäftigt. „Das ist ein sehr begabter Künstler aus dem Iran, dessen Persönlichkeit ein wenig vom Titel seiner Ausstellung hatte“, so Schemann.
„Steinzeichen“ von Georg Müller (2005)
Der Steinbildhauer Georg Müller arbeitet mit portugiesischen Marmor. „Seine Skulpturen in Stein waren echte Knaller“, erinnert sich Schemann gerne. Die Wucht und Pracht der Skulpturen gehören zu ihren bleibenden Eindrücken aus 20 Jahren „Kunst & Kirche“.
„Eine Kiste im Keller“ von Werner Steinbrecher (2006)
Nach dem Tod seiner Mutter bekam der Künstler Werner Steinbrecher von seinem Vater eine Kiste, in der seine Eltern alles aus der Zeit des Nationalsozialismus aufgehoben hatten. Dazu gehörten Gegenstände aus der Soldatenzeit, einige Zeitungsartikel sowie 767 Feldpostbriefe aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausstellung zeigte eine künstlerische Verarbeitung der Briefe sowie ihre historische und biografische Einordnung anhand von Dokumenten und Fotos.
„Zeitlos“ von Michael Blum (2007)
„Zu dieser Zeit sprachen viele über Engel und es war ein sehr populäres Thema. Zur musikalischen Begleitung hatte ich damals Markus Stockhausen gefunden“, betont Ulla Schemann. In seiner künstlerischen Arbeit konzentrierte sich Michel Blum vorwiegend auf christliche Themenbereiche. Sein Augenmerk galt immer dem Blick unter die Oberfläche, den Zeichen Gottes in der Welt. Michel Blum spürte in seinen Werken der Verbindung zwischen Gott und den Menschen, dem Fassbaren und dem Unbegreiflichen, den Engeln und ihren Botschaften für diese Erde nach.
„Buch Hiob“ von Prof. Günther Ücker (2008)
„Buch Hiob“ von Prof. Günther Ücker ist eindeutig Ulla Schemanns Favorit. Die Ausstellung bezog sich auf ein Künstlerbuch mit 47 handsignierten Originalgrafiken. Unter anderem enthält das Buch den Text „Das Buch Hiob“ auf Hebräisch sowie die deutsche Übersetzung von Martin Luther. „Diese Ausstellung war schwere Kost für unsere Besucher“, weiß Ulla Schemann. Unvergesslich bleibt ihr ein Besuch im riesigen Atelier des Künstlers in einer alten Fabrikhalle am Rheinufer in Düsseldorf.
„Himmelsblicke“ von Boris Lauffer (2009)
Wirklichkeit und Unwirklichkeit verbanden sich in den Ölgemälden von Boris Lauffer. Obwohl seine Bilder ausschließlich von Landschaft und Naturerlebnissen handeln, sind sie weit davon entfernt, lediglich Impressionen vom Spiel des Lichts wiederzugeben. Meist malte Lauffer kleine weiße Häuser, die als Metaphern für die menschliche Behausung stehen. Sie ducken sich hinein in eine weite Landschaft unter einem unendlichen Himmel. So bilden sie Zufluchtsorte für eigene Fantasien, Sehnsüchte und Gefühle.
„Maschine Mensch“ von Alexander Calvelli (2010)
Alexander Calvelli ist ein Fotograf, der Bilder nach seinen Fotos malte. Erinnerungen an Begegnungen mit der Welt der Industrie, des Bergbaus und der Schifffahrt wurden in Fotos dokumentiert, die Calvelli anschließend zu gemalten Bildern umformte. Eine Frage stellte sich immer: Gemälde oder Foto?
„Farb(t)räume“ von Eberhard Münch (2011)
Eberhard Münch gilt als einer der renommiertesten Sakralkünstler der Gegenwart. Er realisierte zeitgenössische sakrale Raumkonzepte als Gesamtkunstwerk. Daneben beschäftigte er sich mit Wandmalerei, Glasgestaltung, Bildhauerei und Paramentik.
„Kopfüber“ von Günter Thelen (2012)
Günter Thelen schuf Köpfe aus Metall, also sehr schwere Kunstwerke. „Wir mussten einen Kran beschaffen, um diese Köpfe auf eine Empore in der Kirche heben zu können“, so Schemann. In den Gesichtern dieser Köpfe stand das Streben nach Weiterentwicklung und apokalyptischer Vollendung zu lesen. Hier kamen die großen Lebensthemen vom Scheitern und Neubeginn in den Blickpunkt. Schritt für Schritt gingen die Gedanken in die Tiefe des Menschlichen oder in die Nähe Gottes.
„Eines langen Tages Reise in die Nacht“ von Prof. Rolf Mario Koller (2013)
„Die Ausstellung von Prof. Mario Koller“, so Schemann, „war beängstigend und ging an die Substanz menschlicher Existenz.“ Unwillkürlich stand den Besuchern die Sinnfrage des Lebens vor Augen.
„Kummawerdalacht“ von Thomas Plassmann (2014)
Thomas Plassmann zeichnet wunderbare Karikaturen über grundlegende Fragen des Glaubens und seiner vielen Krisen im modernen Leben: eine Ausstellung zum Schmunzeln und Nachdenken unter dem Motto „Humor ist, wenn man trotzdem glaubt.“
„Augenblick mal“ von Ilse Pliester-Janert (2015)
Ilse Pliester-Janert aus Erftstadt-Ahrem ist mittlerweile über 90 Jahre alt und immer noch sehr aktiv. „Ihre Lebenskraft und ihr Witz haben mich sehr beeindruckt“, betont Ulla Schemann. „Augenblick mal“ stand für „Zur Ruhe kommen“ und ihre farbintensiven, detailreichen Malereien luden dazu ein, Kunst auf sich wirken zu lassen. Die Ideen ihrer Kunst entstanden aus dem Augenblick heraus. Ihre Öl-, Acryl- und Pastellarbeiten zeigten einfache Motive, oft Pflanzen oder Tiergesichter, die zu unerwarteter Tiefe verfremdet wurden.
„Menschenskinder“ von Gerda Laufenberg (2016)
Diese humorvolle Ausstellung zeigte den Facettenreichtum des rheinischen Menschen. Mit Witz und karikaturistischer Überzeichnung näherte sich Laufenberg in ihren Bildern immer wieder dem Karneval, dem rheinischen Leben und seinen typischen Menschen.
„Revier“ von Matthias Jung (2017)
Das war ein harter Bruch gegenüber den heiteren Gemälden Gerda Laufenbergs aus dem Vorjahr. Matthias Jung stellte nüchterne, ernste Schwarz-Weiß-Fotografien aus. Seine Foto-Collage widmete sich dem rheinischen Braunkohlen-Revier und den tiefen Eingriffen in Landschaft, Kultur und Menschen der Region. „Ein Ausrufezeichen der Reihe“, meint Ulla Schemann.
Und jetzt? Mit „Zeitzeichen“, einer Collage aus zwei Jahrzehnten, wird sich der Kreis im März schließen. Eigentlich schade……


(Franz-Günter Runkel)

Ausstellung hinterlässt Spuren

Pliester Janert2Die Ausstellung mit Bildern von Frau Ilse Pliester-Janert in der Kirche der Versöhnung ist zwar nun zu Ende, aber, wie heißt es in dem Lied: "Niemals geht man so ganz...": Etwas bleibt also zur Erinnerung an die Ausstellung, nein, kein Bild von der Künstlerin selbst. Das entspräche nicht der Perönlichkeit von Frau Pliester-Janert. Sie hat uns das Bild einer Künstlerkollegin geschenkt, von Frau Christiane Lorber. Es hat im Saal unseres Gemeindehauses einen Platz gefunden. Ihnen kommt das Bild bekannt vor? Kein Wunder, denn es war im Dezember das Kalenderbild für die Aktion des ökumenischen Vereins "Talita Kumi". Wir danken Frau Pliester-Janert sehr für diese großzügige Spende und freuen uns vor allem auch darüber, dass wir uns über diese Ausstellung näher gekommen sind. Es war eine große Freude, diese lebendige, fröhliche, unkomplizierte und starke Frau kennen zu lernen!

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