Ausstellung Matthias Jung - Revier

Im Braunkohlerevier unterwegs: Lechenicher Fotograf Matthias Jung stellt aus

MatthiasJung

Der Lechenicher Fotograf Matthias Jung hat auf eindrucksvolle Weise Landschaften, Menschen und Orte des rheinischen Braunkohlereviers in Szene gesetzt. 

In seinen Aufnahmen dokumentiert der Fotograf den Verlust von "Heimat" im rheinischen Braunkohlerevier, ein aktuellesThema .

 Eröffnung 25.März 2017, 18:00 Uhr

Ausstellungsende 16. April 2017

Öffnungszeiten. Di. und Do. 17:00 – 19:00 Uhr sowie nach den Gottesdiensten

                                  Ausgenommen Gründonnerstag

Vita:

Geboren 1967 in Herford.
Studium Kommunikationsdesign 
an der Uni Gh Essen von 1988-1995.
Seit 1995 freiberuflich als Fotograf für Theater, Zeitschriften, Verbände und Unternehmen.
Lebt in Erftstadt-Lechenich, vor den Toren Kölns.

Preise
2. Preis Deutscher Jugend Fotopreis 1988
2. Preis Int. Nikon Photowettbewerb 1992
1. Preis Hansel-Mieth-Preis 2001
Förderstipendium der VG Bild-Kunst 2008
Europäischer-Architekturfotografie-Preis 2015 - Anerkennung

1967 im ostwestfälischen Herford geboren, begann mit 17 Jahren für Tageszeitungen zu fotografieren und arbeitet seitdem als Fotojournalist.

Nach dem Fotografiestudium in Essen ging er nach Köln, später zog er nach Lechenich. Nachts sah er hier, vom neuen Bürofenster aus, die Lichter des Tagebau Hambach am Horizont.

2010 entstanden erste Fotos in Gegenden, die mittlerweile im Krater der Tagebaue verschwunden  sind. Seitdem hat sich daraus ein Langzeitprojekt entwickelt dessen Ende noch nicht absehbar ist.

Sein „Revier" - so der Titel der Arbeit- ist der Landstrich, der sich zwischen den beiden größten Tagebauen, Hambach und Garzweiler, erstreckt. Hier werden seit Jahrzehnten Dörfer und Städte entvölkert, demontiert und planiert.

Vier Orte werden aktuell abgerissen und ein halbes Dutzend wird bis zum Jahr 2045 folgen.

Weit über 30.000 Menschen werden dann im Rheinland seit Kriegsende durch den Kohleabbau ihren Heimatort verloren haben.

Braunkohle- und Kraftwerksbetreiber, Staat, Land und Parteien sehen die vollständige Vernichtung von Orten und Landschaften als unverzichtbar und als Auftrag für die Gesellschaft.

Die Geschichten, die er von den umzusiedelnden Bewohnern hörte, handelten oft von der Missachtung von Menschenkeit, Heimat und Eigentum durch den Energiekonzern.

Manche versuchten gegen Umweltzerstörung und Feinstaub oder für das Recht auf Eigentum und Heimat zu klagen. Immer mit der Hoffnung, aber bislang nie mit Aussicht auf Erfolg.

Die Geschichten der Bewohner sind sein Antrieb, weiter am Thema zu arbeiten. Das „Revier" seiner Fotos ist ein Schlachtfeld. Nicht nur, das es oft so aussieht mit seinen Hausruinen, der zerwühlten Erde, den gerodeten Wäldern, den Demonstranten und der schwer gerüsteten Polizei.

Dorfgemeinschaften zerstreiten sich hier, Gegner und Befürworter der Braunkohle oder von regenerativer Energien schlagen sich mit Argumenten. Rechtsanwälte der Umsiedler kämpfen mit den Anwälten von RWE-Power. Gewerkschaftler beschimpfen Demonstranten und umgekehrt. Waldbesetzer kämpfen gegen Sicherheitsdienste. Polizisten gegen Tagebaugegner.

Er selbst kämpft seit Beginn der Arbeit ständig mit der Frage nach der Angemessenheit seiner Bilder. Wie viel Schönheit verträgt das Thema? Kann die Ästhetik, zu der er tendiert, die apokalyptische Situation in der sich Landschaft und Menschen hier befinden, überhaupt ansatzweise beschreiben? Es ist ein Suchen nach der Schnittstelle zwischen Dokumentation und Emotionalität und der Frage nach dem, was bleibt.

Text aus „Landnahme“, Erftstadt 2017